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| Recht am eigenen Bild: das Persönlichkeitsrecht für Laien
Irgendwann kommt die Mail: „Ich habe mich in Ihrer Galerie entdeckt und möchte dort nicht zu sehen sein.“ Ob Sie dann ein Problem haben oder nur eine Kleinigkeit erledigen, entscheidet das Recht am eigenen Bild. Es steht in § 22 des Kunsturhebergesetzes (KUG) und besagt, dass ein Bildnis eines Menschen nur mit seiner Einwilligung verbreitet oder öffentlich gezeigt werden darf. Nicht der Fotograf bestimmt also, ob ein Personenfoto in Ihre Galerie kommt, sondern die Person darauf. Wer Bilder von Festen, Vereinsabenden oder Ausflügen online stellt, sollte deshalb vor dem Hochladen wissen, wann ein Ja nötig ist und wann eine der gesetzlichen Ausnahmen greift.
Was das Recht am eigenen Bild schützt und was nichtGeschützt ist das Bildnis, also eine Darstellung, auf der jemand erkennbar ist. Das Gesicht ist der häufigste, aber nicht der einzige Weg dorthin. Der Mann mit der auffälligen Tätowierung am Unterarm, die Sängerin, deren Name in der Bildunterschrift steht, oder der Torwart, den jeder im Ort an Trikot und Statur erkennt, sind ebenfalls abgebildet im Sinne des Gesetzes. Ein schwarzer Balken über den Augen hilft wenig, wenn der Rest des Bildes und der Text darunter verraten, um wen es geht. Das Gesetz regelt das Verbreiten und das öffentliche Zeigen, nicht das Fotografieren selbst. Für Ihre Galerie zählt deshalb der Moment des Hochladens: Ein Foto, das monatelang unbeachtet auf Ihrer Festplatte lag, wird erst dann zur Rechtsfrage, wenn es online geht. Für die Aufnahme gelten andere Regeln, etwa die DSGVO und das Strafrecht, das heimliche Bilder in Wohnungen oder Umkleiden unter Strafe stellt. Eine zweite Abgrenzung betrifft fremde Fotos: Die Person auf dem Bild hat Rechte an ihrem Abbild, die Fotografin hat das Urheberrecht am Foto. Wer das Bild einer Feier, das ein anderer gemacht hat, in die eigene Galerie stellen will, braucht im Zweifel beides, das Einverständnis der Abgebildeten und das Nutzungsrecht der Fotografin. Typische Fälle aus Vereins- und HobbygalerienDie folgende Übersicht ordnet Situationen ein, die in solchen Galerien ständig vorkommen. Sie ist eine Faustregel, kein Gutachten, und jeder Fall kann im Detail anders liegen.
Bezahlte Modelle sind ein Sonderfall: Wer für ein Fotoshooting Geld bekommen hat, gilt nach § 22 Satz 2 KUG im Zweifel als einverstanden. Was genau vereinbart war, sollte trotzdem schriftlich festgehalten sein. Und das Recht endet nicht mit dem Tod. Zehn Jahre lang entscheiden danach die Angehörigen, ob ein Bildnis gezeigt werden darf. Bei Gedenkseiten und Vereinschroniken mit Fotos verstorbener Mitglieder fragen Sie also die Familie. Die Ausnahmen aus § 23 richtig lesen§ 23 KUG zählt auf, wann das Recht am eigenen Bild zurücktritt und ein Foto auch ohne Einwilligung gezeigt werden darf. Die Ausnahmen klingen großzügig, werden in der Praxis aber eng ausgelegt:
Über allen vier Ausnahmen steht Absatz 2: Auch wenn eine Ausnahme passt, darf ein Bild nicht gezeigt werden, wenn es berechtigte Interessen der Person verletzt. Das Foto vom Stadtfest, auf dem ein Besucher erkennbar betrunken am Rand sitzt, kann deshalb tabu sein, obwohl es eine Menschenmenge zeigt. Zusammen ergibt das einen Prüfweg mit drei Fragen. Zwei Fotos vom selben Vereinsfest nehmen darauf ganz verschiedene Ausgänge: das Porträt der Vorsitzenden, die vorher unterschrieben hat, und der Gast, der ohne Einwilligung groß im Vordergrund steht. Neben diesem Weg gilt immer auch die DSGVO, um die es im nächsten Abschnitt geht. Wie KUG und DSGVO sich in der Galerie vertragenEin erkennbares Foto ist zugleich ein personenbezogenes Datum, deshalb gilt neben dem KUG die DSGVO bei Fotos. Wie weit das Recht am eigenen Bild aus dem KUG für private Seiten und Vereine noch neben der Verordnung gilt, haben die Gerichte bisher nicht einheitlich entschieden. Für Ihre Praxis müssen Sie diesen Streit nicht lösen, wenn Sie sich jeweils an die strengere Regel halten. Zwei Punkte machen dabei den Unterschied:
Ein solches Blatt nennt den Verantwortlichen, den Anlass, den Ort der Veröffentlichung, die Dauer und das Widerrufsrecht. Eine vollständige Vorlage mit allen Angaben, die die DSGVO verlangt, finden Sie im Beitrag Einwilligung für Fotos einholen. Für das Recht am eigenen Bild zählt vor allem eine Zeile darauf: wofür genau das Ja gilt. Wer der Vereinsgalerie zugestimmt hat, hat damit nicht dem Plakat für das Sommerfest zugestimmt. Was ein Verstoß kosten kannWer das Recht am eigenen Bild verletzt, muss zuerst mit einer Forderung nach Löschung und einer Unterlassungserklärung rechnen, oft per anwaltlicher Abmahnung. Deren Kosten trägt im Regelfall, wer das Bild veröffentlicht hat. Sie richten sich nach dem Gegenstandswert, den der Anwalt der Gegenseite ansetzt. Bei 5.000 Euro ergibt die übliche 1,3-Geschäftsgebühr nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz samt Auslagenpauschale und Umsatzsteuer rund 540 bis 575 Euro, je nach geltender Gebührentabelle, bei höheren Werten entsprechend mehr. Kommt es zum Gerichtsverfahren, steigen die Kosten deutlich. Bei schweren Eingriffen, etwa bloßstellenden Aufnahmen, kommt eine Geldentschädigung hinzu, und nach Art. 82 DSGVO kann die Person Schadenersatz verlangen. § 33 KUG sieht für das unerlaubte Verbreiten sogar eine Strafe vor, verfolgt wird die Tat aber nur auf Antrag. In der Praxis endet der Großteil der Fälle mit dem schnellen Entfernen des Bildes, wenn der Betreiber freundlich und zügig reagiert. Die meisten Abmahnungen entstehen, weil auf eine erste, formlose Bitte keine Antwort kam. Auf eine Löschbitte richtig antwortenFür jede Bitte um Löschung hat sich ein fester Ablauf bewährt:
Für die Antwort genügen wenige Sätze. Ein Muster, das Sie anpassen können: Guten Tag Frau Berger, vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich habe das Bild Nummer 14 aus der Kategorie „Grillfest 2026“ heute um 18:20 Uhr aus unserer Galerie entfernt, einschließlich aller verkleinerten Fassungen. In anderen Veröffentlichungen des Vereins habe ich das Bild nicht gefunden. Sollten Sie noch an anderer Stelle darauf stoßen, geben Sie mir bitte kurz Bescheid. Mit freundlichen Grüßen, Thomas Krüger, Webseite TSV Musterdorf Vermeiden Sie in dieser Antwort Rechtfertigungen wie „Sie haben doch damals zugestimmt“. Sie bringen nichts, verlängern den Streit und lesen sich im Ernstfall schlecht. Eine Löschbitte im Bildergalerie-Script umsetzenIm Bildergalerie-Script öffnen Sie in der Verwaltung „Bilder verwalten“ und wählen die Kategorie. Bei jedem Bild stehen dort sein Dateiname und die Knöpfe „Ansehen“ und „Löschen“. Nach „Löschen“ fragt die Seite „Bild „…“ wirklich löschen?“, und mit „Ja, löschen“ verschwinden Original, Vorschaubild, die Kopie für die große Ansicht und der Datenbankeintrag zugleich. Die Galerie leert dabei ihren Zwischenspeicher selbst, das Bild ist für neue Besucher also sofort weg. Im „Systemprotokoll“ steht anschließend „Bild gelöscht:“ mit Dateiname, Kategorie, Uhrzeit und Benutzer. Das ist hilfreich, wenn Sie der Person später zeigen wollen, wann Sie reagiert haben. Oft will die Person nur aus einem Gruppenbild verschwinden, das Foto selbst soll bleiben. Eine Bildbearbeitung hat die Verwaltung nicht, das Verpixeln erledigen Sie vorher in einem Bildprogramm. Danach gehen Sie so vor:
Der neue Name ist wichtig. Vorschaubilder und Lightbox-Kopien tragen einen Zeitstempel in der Adresse, das Original dagegen nicht. Liegt das alte Original noch im Zwischenspeicher eines Browsers, könnte ein Besucher unter demselben Namen weiter die unverpixelte Fassung sehen. Achten Sie außerdem auf Namen im Dateinamen. Der Dateiname steht immer in der Adresse des Bildes; aus „Familie Berger am Grill.jpg“ macht die Galerie beim Hochladen Häufige Fragen zum Recht am eigenen BildWer Personenfotos in einer eigenen Galerie zeigt, stößt immer wieder auf dieselben Fragen. Die Antworten sind eine allgemeine Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung. Brauche ich bei Fotos von Jugendlichen eine doppelte Einwilligung?In vielen Fällen ja. Für Minderjährige unterschreiben die Sorgeberechtigten. Versteht der Jugendliche bereits, was eine Veröffentlichung bedeutet, was häufig ab etwa 14 Jahren angenommen wird, holen Sie zusätzlich sein eigenes Einverständnis ein. Beide Unterschriften auf einem Blatt sind die sicherste Lösung. Darf ich ein Foto zeigen, das der Abgebildete selbst im Netz veröffentlicht hat?Nein, jedenfalls nicht ohne Weiteres. Wer ein Bild von sich auf der eigenen Seite oder in einem sozialen Netzwerk zeigt, entscheidet damit über diese eine Veröffentlichung, nicht über Ihre Galerie. Hinzu kommt das Urheberrecht der Person, die das Foto aufgenommen hat. Fragen Sie also beide, bevor Sie das Bild übernehmen. Gilt eine alte Einwilligung auch nach einem Umzug der Galerie?Wenn sich nur die Technik ändert, in der Regel ja: Dieselben Fotos auf der neu gestalteten Vereinsseite dienen demselben Zweck. Anders ist es, wenn die Bilder in einen neuen Zusammenhang geraten, etwa von der Vereinsgalerie in eine Werbebroschüre oder auf die Seite eines Sponsors. Dafür brauchen Sie ein neues Ja. Verwandte ThemenWer Personenfotos rechtssicher zeigen will, kommt an den eng verzahnten Nachbarthemen Datenschutz, Einwilligung und Urheberrecht nicht vorbei. | ||||||||||||