Urheberrecht bei Fotos: was Foto-Laien wissen sollten

 

Bevor das erste Bild in eine Galerie wandert, lohnt sich ein Blick auf seine Geschichte. Das Hochzeitsfoto hat ein bezahlter Fotograf gemacht, das Bild vom Vereinsausflug der Pressewart mit der Vereinskamera, und das Porträt der Urgroßmutter stammt aus einem Fotostudio der Zwanzigerjahre. Alle drei sind geschützt, aber jeweils unterschiedlich lange und zugunsten verschiedener Personen. Das Urheberrecht bei Fotos entsteht ohne Antrag und ohne Vermerk in dem Moment, in dem jemand auslöst. Ein „©“ unter dem Bild ist deshalb keine Voraussetzung, und sein Fehlen bedeutet nicht, dass ein Foto frei ist.

Urheberrecht bei Fotos: Eine Hand hält ein Landschaftsfoto mit Copyright-Siegel vor ein Schutzschild, daneben eine Kamera

Wem ein Foto gehört: Fotograf, Auftraggeber, Abgebildete

Die Rechte an einem Foto entstehen bei dem Menschen, der das Bild gestaltet und ausgelöst hat. Wem die Kamera gehört, spielt keine Rolle. Der Pressewart, der mit der Vereinskamera fotografiert, behält die Rechte an seinen Bildern. Der Verein darf sie zeigen, wenn der Pressewart es ihm erlaubt hat, und eine kurze schriftliche Vereinbarung hält das am besten einmal fest. Ähnlich ist es bei Angestellten, die im Rahmen ihrer Arbeit fotografieren: Die Rechte entstehen bei ihnen, die Nutzungsrechte liegen in aller Regel beim Arbeitgeber.

Ein Begriff verdient gleich zu Beginn eine Klarstellung. Das Gesetz unterscheidet künstlerisch gestaltete Aufnahmen (Lichtbildwerke) von einfachen Lichtbildern. Wer ein Lichtbildwerk schafft, heißt Urheber. Wer ein einfaches Lichtbild macht, heißt Lichtbildner und erhält nach § 72 UrhG ein eigenes Schutzrecht, für das die Vorschriften über Urheber entsprechend gelten. Im Alltag macht das kaum einen Unterschied, nur die Schutzdauer weicht ab. Diese Seite spricht deshalb vom Fotografen, wenn beide gemeint sind.

Bei Auftragsfotos entscheidet der Vertrag. Viele Hochzeits- und Porträtfotografen räumen ihren Kunden nur die private Nutzung ein. Eine öffentlich erreichbare Galerie im Internet ist aber keine private Nutzung mehr. Wer seine Hochzeitsbilder online zeigen möchte, schaut also zuerst in den Vertrag oder fragt kurz nach. Die meisten Fotografen stimmen zu, wenn sie dabei genannt werden. Die Menschen auf dem Bild haben dagegen keine Rechte am Foto als Werk, sondern ein eigenes Recht am Bild ihrer Person. Ob Sie Personen zeigen dürfen, ist eine zweite, getrennte Frage, die der Beitrag zur Einwilligung für Fotos behandelt.

Was der Fotograf erlauben oder verbieten kann

Das Urheberrechtsgesetz (UrhG) zählt die Befugnisse in den Paragrafen 12 bis 23 einzeln auf. Für eine Galerie zählt, bei welchen Handgriffen das Urheberrecht bei Fotos ins Spiel kommt. Die Tabelle übersetzt das in typische Tätigkeiten eines Galeriebetreibers. Sie gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Was Sie tunWelches Recht es berührtWas Sie dafür brauchen
Foto in die Galerie hochladenRecht der öffentlichen Zugänglichmachung (§ 19a UrhG)Erlaubnis des Fotografen oder eine Lizenz, die Online-Nutzung umfasst
Bild zuschneiden, Filter anwenden, montierenBearbeitung (§ 23 UrhG); das Ergebnis darf nur mit Zustimmung veröffentlicht werdeneine Erlaubnis, die Bearbeitungen einschließt
Name des Fotografen weglassenRecht auf Anerkennung der Urheberschaft (§ 13 UrhG)eine Vereinbarung mit dem Fotografen; auf eine angebliche Branchenübung, ohne Namen zu veröffentlichen, sollten Sie sich nicht verlassen
Bild in einen abwertenden Zusammenhang stellenSchutz vor Entstellung (§ 14 UrhG)lässt sich kaum vorab einholen, besser vermeiden

Das Recht selbst kann der Fotograf in Deutschland nicht verkaufen, nur vererben. Was er weitergibt, sind Nutzungsrechte. Sie können einfach oder ausschließlich sein, zeitlich und räumlich begrenzt oder auf bestimmte Medien beschränkt. Steht in einer Lizenz „nur Print“, deckt sie Ihre Galerie nicht ab.

Wie lange das Urheberrecht bei Fotos gilt

Bei der Schutzdauer zählt die Unterscheidung von oben. Ein Lichtbildwerk braucht eine eigene gestalterische Leistung, die Schwelle dafür liegt nicht hoch. Es bleibt bis 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen geschützt (§ 64 UrhG). Ein einfaches Lichtbild, also ein Knipsbild ohne gestalterischen Anspruch, ist 50 Jahre lang geschützt (§ 72 Abs. 3 UrhG), gerechnet ab dem ersten Erscheinen. Ist es nie erschienen, zählt die Aufnahme. Alle Fristen laufen bis zum Ende des Kalenderjahres, frei ist ein Bild also immer ab dem 1. Januar.

Das Diagramm zeigt vier Fälle auf einer Zeitachse, jeder Balken beginnt bei der Aufnahme. Das Studioporträt der Urgroßmutter entstand 1928. Gilt es als Lichtbildwerk und starb sein Fotograf 1965, endet der Schutz mit Ablauf von 1965 plus 70 Jahren, also am 31. Dezember 2035. Ab 2036 ist es frei, obwohl es dann über hundert Jahre alt ist. Ein Schnappschuss, der 1980 in einer Vereinszeitung erschien, ist dagegen schon ab 2031 frei. Ein Landschaftsfoto von 1960, dessen Fotograf 2000 starb, bleibt bis Ende 2070 geschützt. Die originalgetreue Aufnahme eines Gemäldes von 1850 hat seit Juni 2021 keinen eigenen Schutz mehr (§ 68 UrhG).

Animierte Zeitleiste zum Urheberrecht bei Fotos: Studioporträt von 1928 frei ab 2036, Schnappschuss von 1980 frei ab 2031, Lichtbildwerk eines 2000 verstorbenen Fotografen frei ab 2071, Foto eines gemeinfreien Gemäldes seit 06/2021 ohne eigenen Schutz
Vier Fotos, vier Enden: Wann der Schutz ausläuft, hängt von der Art der Aufnahme und vom Todesjahr des Fotografen ab.

Ob ein Bild Werk oder einfaches Lichtbild ist, entscheidet im Streitfall ein Gericht. Gehen Sie deshalb von der längeren Frist aus, solange Sie nicht sicher sind. Bei alten Familienfotos kommt hinzu, dass die Rechte nach dem Tod des Fotografen bei seinen Erben liegen. Für sehr alte Aufnahmen gelten außerdem Übergangsregeln aus früheren Gesetzesfassungen, die das Ergebnis im Einzelfall verschieben können. Kennen Sie den Fotografen gar nicht, lässt sich das Todesjahr nicht bestimmen, und das Risiko einer Fehleinschätzung tragen Sie.

Ausnahmen, die Galeriebetreibern begegnen

Das Gesetz kennt Fälle, in denen Sie ein geschütztes Werk fotografieren und zeigen dürfen, ohne den Urheber zu fragen. Drei davon kommen in Reise-, Stadt- und Museumsbildern ständig vor:

  • Panoramafreiheit: Gebäude, Brunnen oder Skulpturen, die bleibend an öffentlichen Straßen und Plätzen stehen, dürfen Sie von dort aus fotografieren und das Bild veröffentlichen. Das gilt für die Ansicht von der Straße, nicht für Innenräume und nicht für Ausstellungen auf Zeit.
  • Gemeinfreie Gemälde: Seit Juni 2021 begründet die originalgetreue Aufnahme eines gemeinfreien Bildes keinen neuen Schutz als Lichtbild. Fotografierverbote im Museum können sich trotzdem aus der Hausordnung ergeben.
  • Unwesentliches Beiwerk: Hängt im Hintergrund Ihres Vereinsfotos ein Plakat, das man ebenso gut weglassen könnte, ist das unproblematisch. Steht das Plakat dagegen im Mittelpunkt, greift die Ausnahme nicht.

Keine Ausnahme ist der Gedanke, ein Foto sei „im Internet öffentlich“ gewesen. Ein Bild aus der Suchmaschine oder einem sozialen Netzwerk bleibt so geschützt wie ein gedrucktes. Die Erlaubnis zur Privatkopie hilft ebenfalls nicht, denn eine Galerie im Netz ist eine Veröffentlichung, und dafür gilt der Schutz ohne Abstriche.

Was ein Verstoß gegen das Urheberrecht bei Fotos kostet

Wer ein fremdes Foto ohne Erlaubnis zeigt, muss es zuerst entfernen. Meist verlangt der Rechteinhaber zusätzlich eine Unterlassungserklärung mit Vertragsstrafe. Dazu kommt Schadensersatz, den Gerichte fast immer nach der sogenannten Lizenzanalogie berechnen (§ 97 Abs. 2 UrhG): Sie zahlen, was eine ordentliche Lizenz für dieselbe Nutzung gekostet hätte.

Bei Bildern von Berufsfotografen ziehen viele Gerichte dafür die Honorarempfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) heran. Für ein einzelnes Foto, das ein Jahr auf einer Webseite stand, kommen so leicht einige hundert Euro zusammen. Bei Aufnahmen von Amateuren setzen Gerichte häufig deutlich weniger an. Fehlt außerdem der Name des Fotografen, verlangen Rechteinhaber einen Zuschlag, den viele Gerichte mit bis zu 100 Prozent des Lizenzbetrags ansetzen.

Ein Beispiel mit angenommenen Werten: Setzt das Gericht für ein Jahr Online-Nutzung 300 Euro an und verdoppelt den Betrag wegen der fehlenden Namensnennung, sind 600 Euro Schadensersatz fällig. Hinzu kommen die Anwaltskosten der Abmahnung. Für Privatleute, die zum ersten Mal abgemahnt werden, begrenzt § 97a Abs. 3 UrhG den Gegenstandswert dafür in der Regel auf 1.000 Euro. Das hält die erstattungsfähigen Anwaltskosten niedrig, den Schadensersatz begrenzt die Regel aber nicht. Wie Sie auf ein solches Schreiben reagieren, erklärt der Beitrag zur Abmahnung wegen Bildern.

Wenn jemand Ihre eigenen Fotos kopiert

Dasselbe Gesetz schützt auch Sie als Fotografen. Taucht eines Ihrer Bilder auf einer fremden Seite auf, entscheidet die Beweislage darüber, wie gut Sie sich durchsetzen können. Drei Belege helfen:

  • Das Original: die unbearbeitete Datei in voller Auflösung, die auf Ihrer Festplatte bleibt und nie hochgeladen wurde.
  • Die fremde Seite: ein Bildschirmfoto mit sichtbarer Adresse und Datum.
  • Der zeitliche Vorsprung: ein Nachweis, seit wann das Bild in Ihrer Galerie steht, etwa eine alte Datensicherung.

Wer nur verkleinerte Fassungen veröffentlicht, kann mit dem großen Original jederzeit zeigen, wer die Aufnahme gemacht hat. Bei gewerblicher Übernahme lohnt der Weg zu einer Anwältin oder einem Anwalt für Urheberrecht, private Fälle lassen sich oft mit einer freundlichen Nachricht klären.

Urheberrecht bei Fotos in der eigenen Galerie umsetzen

Zum Urheberrecht bei Fotos gehört der Anspruch auf Namensnennung. Sobald Sie Bilder anderer Fotografen in Ihrer Galerie zeigen, brauchen Sie dafür einen Platz. Im Bildergalerie-Script ist das die Beschreibung des Bildes. Sie erscheint als Bildunterschrift in der großen Ansicht und zugleich als Alternativtext des Vorschaubilds. Pro Bild sind bis zu 500 Zeichen erlaubt, die Galerie gibt sie als reinen Text aus. Ein Link zum Fotografen ist darin also nicht anklickbar, HTML wirkt nicht. Eine Angabe wie „Foto: Jana Weber“ passt dagegen problemlos hinein und braucht gerade 16 Zeichen. Die Beschreibung tragen Sie direkt nach dem Hochladen auf der Ergebnisseite ein oder später unter „Bilder verwalten“ mit „Beschreibungen speichern“.

Was Sie wollenWas die Galerie bietet
Urheber nennenBeschreibung je Bild, bis 500 Zeichen, reiner Text
Quelle für eine ganze Serie nennenBeschreibung der Kategorie, erscheint vollständig über den Bildern; auf der Startseite gekürzt (Standard 75 Zeichen)
Wasserzeichen oder Kopierschutzgibt es nicht, Wasserzeichen vor dem Hochladen im Bildprogramm setzen
Urheberangaben in den Kameradatenbleiben im Original erhalten, fehlen in Vorschaubild und Lightbox-Kopie
Ein beanstandetes Bild entfernen„Bilder verwalten“ › „Löschen“ entfernt Original, Vorschaubild und Anzeigekopie vom Server

Die Zeile zu den Kameradaten übersehen viele. Das Original speichert die Galerie unverändert im Ordner bilder/, mit allen eingebetteten Daten der Kamera. Vorschaubilder und die verkleinerte Kopie für die große Ansicht (Standard höchstens 1024 × 1024 Pixel) berechnet sie neu, dabei gehen diese Daten verloren. Ein Urhebervermerk, den Sie in der Kamera hinterlegt haben, reist also nur mit dem Original. Sichtbar ist er für Besucher ohnehin nicht, denn die Galerie wertet aus den Kameradaten nur die Ausrichtung aus. Verlassen Sie sich für die Namensnennung deshalb immer auf die Beschreibung.

Muss ein Bild nach einer Beanstandung weg, gehen Sie so vor:

  1. Unter „Bilder verwalten“ die Kategorie öffnen und beim Bild auf „Löschen“ klicken.
  2. Die Rückfrage mit „Ja, löschen“ bestätigen. Original, Vorschaubild und Anzeigekopie verschwinden vom Server.
  3. Die alte Bildadresse im Browser aufrufen. Sie sollte ins Leere führen.
  4. Kopien in Ihren eigenen Datensicherungen gesondert entfernen, denn die erfasst das Löschen nicht.

Rechtlich sind Ihre eigenen Aufnahmen geschützt, technisch hält das niemanden auf. Was im Browser angezeigt wird, lässt sich speichern, und die Galerie hat weder Kopierschutz noch Wasserzeichen. Auch wenn die Lightbox nur die kleinere Kopie zeigt, bleibt das Original unter seiner Adresse im Ordner bilder/ abrufbar. Zeigen Sie deshalb keine Dateien in voller Druckauflösung, wenn Sie diese verkaufen möchten, sondern laden Sie eine kleinere Fassung hoch.

Der Hinweis „Copyright by Bildergalerie-Script.de“ am Fuß der Galerie bezieht sich übrigens auf die Software, nicht auf Ihre Fotos. Die Rechte an den Bildern bleiben bei Ihnen oder bei den Fotografen, deren Arbeiten Sie zeigen. Wenn Sie Ihre eigenen Bilder in einer Galerie mit sauberer Namensnennung zeigen möchten, können Sie das Bildergalerie-Script kostenlos herunterladen und gleich die erste Kategorie anlegen.

Häufige Zweifelsfälle beim Zeigen von Fotos

Die Antworten sind eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung.

Ab wann ist ein altes Foto frei?

Ein einfaches Lichtbild ist 50 Jahre nach dem Erscheinen frei, ein Lichtbildwerk erst 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen, jeweils ab dem folgenden 1. Januar. Wie weit das auseinanderliegen kann, zeigt die Rechnung zum Studioporträt im Abschnitt zur Schutzdauer. Das Alter des Fotos allein sagt also wenig.

Woran erkenne ich, ob ein Foto ein Lichtbildwerk ist?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Je mehr eigene Entscheidungen in der Aufnahme stecken, etwa Bildausschnitt, Licht, Moment und Bearbeitung, desto eher ist es ein Werk. Professionelle Aufnahmen erreichen diese Schwelle meist. Für die Frage, ob Sie das Bild zeigen dürfen, macht es keinen Unterschied: Geschützt sind beide, nur die Dauer ist verschieden.

Wem gehören die Rechte an einem Foto, das jemand mit meiner Kamera macht?

Der Person, die ausgelöst hat. Hat eine Freundin auf Ihrem Handy ein Foto von Ihnen gemacht, liegen die Rechte bei ihr. Für die Galerie brauchen Sie also ihr Einverständnis, das sich meist mit einer kurzen Nachricht klären lässt.

Reicht es, ein fremdes Foto mit Quellenangabe zu zeigen?

Nein. Die Namensnennung ist eine Pflicht, die zur Erlaubnis hinzukommt, sie ersetzt sie nicht. Ohne Erlaubnis bleibt die Veröffentlichung ein Verstoß, auch mit korrektem Namen darunter. Wie eine vollständige Angabe aussieht, zeigt der Beitrag Bildquelle richtig angeben.

Wie nenne ich eine Creative-Commons-Lizenz in der Galerie?

Solche Lizenzen erlauben die Nutzung, verlangen aber meist Name des Fotografen, Titel der Lizenz und einen Verweis auf den Lizenztext. Im Bildergalerie-Script schreiben Sie das in die Beschreibung, etwa „Foto: Jana Weber, Lizenz CC BY 4.0“. Weil die Beschreibung als reiner Text erscheint, steht eine Webadresse dort nur lesbar und nicht anklickbar. Gilt die Lizenz für eine ganze Serie, passt die Angabe auch in die Beschreibung der Kategorie.

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